Gedankendickicht // So schreibe ich

So schreibe ich

Als ich diese Woche das Finale im zweiten Teil meiner Dystopie “NACHTSONNE” schrieb, musste ich frustriert feststellen, dass ich an meine Gedächtnis-Grenzen stieß.
Es ist eine Sache, sich diverse Namen, Handlungsstränge und Orte merken zu müssen. Damit hatte ich bisher nie Probleme. Wenn ich schreibe, lebe ich so sehr in der Geschichte, dass ich mich selten anstrengen muss, um alle Fakten im Kopf zu behalten aber … Wenn der X-te Charakter mit verrückten Fähigkeiten und Verwandten in HUB X auftaucht, fehlen irgendwann die passenden Verknüpfungen im Kopf und  ein schriftstellerisches Chaos zeichnet sich ab. Was also tun?

 

Step 1

Ich habe alles stehen und liegen lassen und umgehend den gesamten ersten Teil der Reihe gelesen. Auf diese Weise konnte ich die Verbindung zu den Protagonisten erneuern und auch ihre Eindrücke und Erlebnisse im ersten Teil noch einmal nachempfinden.

 

Step 2

Jede noch so kleine Information, auf die ich im ersten Band stieß, notierte ich und ergänzte so meine ursprünglichen Notizen zu den Charakteren, Orten, Technologien und Zeitangaben. Ist Jakobs Haar kurz oder lang? Kräftig oder fein? Wie groß ist ein HUB? Essen alle zusammen oder in Schichten? Ich schreibe alles auf und dann …

 

Step 3

Ich bastele mir einen überdimensionalen Notizzettel. Der kommt neben meinen Arbeitsplatz und geordnet nach Kategorie und Wichtigkeit finden all die Informationen ihren Weg an die Wand. Jetzt habe ich einen Überblick und bin damit schon mal Meilenweit entfernt, von meiner misslichen Ausgangslage in der ich dem lieben Jakob z.B. einen Onkel verpasst habe, der im ersten Teil noch der Bruder seines Vaters war, nun aber plötzlich mit seiner Mutter verwandt ist. Böser Fehler! Und nun – zum Glück – ausgemerzt.

 

Step 4

Wie geht es jetzt weiter? Ihr könnt es euch sicher denken: Ich muss alle geschriebenen Kapitel erneut lesen, damit es mit Teil zwei weitergehen kann. Aber auch hier gibt es Fehlerpotential, welches es zu umschiffen gilt. Erster, von mir in der Vergangenheit häufig gemachter Fehler, ist das Lesen auf dem Kindle oder am PC. So naheliegend es auch erscheint, man überliest so einiges! Ein Ausdruck oder eine leidlich gebundene Version der bisherigen Kapitel muss also her, damit mir ein Licht aufgeht … 🙂

 

Step 5

Soooo viele neue Charaktere! Hatte der eine nun blaue oder braune Augen und was zeichnet dieses blonde Mädchen, das in Kapitel X auftaucht noch mal aus? Ich brauche eine Gedankenstütze. Google schafft Abhilfe. Zwar darf ich natürlich nicht willkürlich irgendwelche Bilder von Personen für meinen Roman verwenden aber als kleine Kreativitäts-Starthilfe geht das schon.

Ich suche mir also meine Protagonisten im Netz und stelle erstaunt fest, dass Nume in meiner Vorstellung wie Avril Lavigne aussieht! Und Sawyer hat eine ziemlich breite Nase und einen kecken Ausdruck im Gesicht. So sammle ich mir meine kleine Buchtruppe zusammen und schon lassen sich die Handlungsstränge gleich noch viel Bildhafter zusammenfügen.

 

Finale

Endlich habe ich den Punkt erreicht an welchem alle losen Gedanken und Worte gebannt wurden und ich mich dem Ende widmen kann. Mich trennen knapp 2000 Worte von diesem einen Moment, diesem ganz großartigen, traumhaften Moment, den jeder Autor herbeisehnt und zugleich hinauszögern möchte. Der letzte Satz. Das letzte Wort nach so vielen Geschehnissen, Entdeckungen und Gefühlen.
Das Ende meines Buches und der Start für die Veröffentlichungsphase! Diese kann gleich nach der Bearbeitung des Manuskripts durch ein Korrektorat beginnen und ist mindestens so aufwendig und spannend wie der Schreibprozess.
Finde ich jedenfalls … 🙂

 

 

 

 

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